Kometen im Frühjahr 2017

Sonderseite aus aktuellem Anlass

Bis zum Sommer können wir vier Kometen beobachten, die schon mit kleineren optischen Hilfsmitteln zu sehen sind. Bereits in einem Fernglas oder kleinem Teleskop kann man einen diffusen Klecks sehen, größere Geräte zeigen ggf. Strukturen und den kometentypischen Schweif. Wer einen grandiosen Anblick erwartet, wie man ihn von Bildern her kennt (so wie der Komet Hale-Bopp oben), sollte nicht weiterlesen, denn genau das gibt es nicht zu sehen.

Wir können die Kometen 45P/Honda–Mrkos–Pajdušáková, 2P/Encke41P/Tuttle–Giacobini–Kresák und C/2015 V2 (Johnson) beobachten. Mit dem bloßem Auge sind die Kometen allerdings nicht zu sehen, denn sie befinden sich knapp unterhalb der Sichtbarkeitsgrenze. Bereits mit einem Fernglas sind sie als kleine „Staubfussel“ vielleicht sogar mit Schweifansatz zu sehen. Eindrucksvoller ist der Blick durch ein Teleskop. Erst die Fotografie zeigt Farben und die Ausdehnung des Kometenschweifes.

In den Grafiken sind die Bahnen aufgeführt, und die täglichen Positionen sind mit einem kleinen Kreuz markiert. Die Angabe des Datums erfolgt im Format Jahr-Monat-Tag und die Helligkeit in Magnituden. Je kleiner die Zahl, desto heller ist das Objekt. Als Richtwert kann man sagen, dass Objekthelligkeiten bis 6 mag unter günstigen Beobachtungsbedingungen noch mit dem bloßem Auge sichtbar sind,  darüber hinaus braucht man optische oder fotografische Hilfsmittel. Aber Achtung: Kometenhelligkeiten lassen sich nicht genau vorhersagen. Sie haben die Eigenschaft, unerwartet heller oder schwächer zu werden oder sich sogar komplett aufzulösen.

Februar

Bahn des Kometen durch die Sternbider Adler, Herkules, Nördliche Krone und Bärenhüter (Cartes du Ciel)
Komet 45P/Honda–Mrkos–Pajdušáková im Februar

Ab etwa 5. Februar hat sich der Komet 45P/Honda–Mrkos–Pajdušáková weit genug von der Sonne entfernt, um ihn am Morgenhimmel beobachten zu können. Nachdem er am 31.12.2016 den geringsten Abstand zur Sonne hatte (Perihel), fliegt er am 11.02.2017 in nur 13 Mio km Entfernung an der Erde vorbei. Er passiert dabei die Sternbilder Adler, Herkules, Nördliche Krone und Bärenhüter.

Der Komet entwickelt sich prächtiger als vorausberechnet. Er hat inzwischen die Helligkeit von 6 mag erreicht und kann bei optimalen Bedingungen sogar schon freiäugig beobachtet werden.

Entdeckt wurde der Komet am 3. Dezember 1948 durch den Japaner Honda und von Mrkos und Padjusakova am tschechischen Skalnate Pleso Observatorium. Der Komet hat eine Umlaufszeit von 5,24 Jahren und wird seit 11 Umläufen um die Sonne beobachtet.

Am Abend können wir den Kometen 2P/Encke im Sternbild Fische beobachten. Als Aufsuchhilfe kann die hell strahlende Venus dienen (Cartes du Ciel)
Die Planeten Mars und Venus und Komet 2P/Encke in der zweiten Februarhälfte.

In der zweiten Februarhälfte taucht der Komet 2P/Encke am Abendhimmel auf. Er kann neben der hell strahlenden Venus im Sternbild Fische beobachtet werden. Die Beobachtung ist nicht ganz einfach, da er sich relativ dicht über dem Horizont befindet.

2P/Encke bewegt sich immer weiter südlich und erreicht am 10. März den sonnennächsten Punkt. Bis Anfang März ist er bei uns sichtbar.

Westlich der hell strahlenen Venus können wir den Kometen beobachten (Cartes du Ciel). Die Schweifdarstellung ist nur schematisch und entspricht nicht den tatsächlichen Gegebenheiten.
Planet Venus und Komet 2P/Encke in der zweiten Februarhälfte.

Der Komet benötigt für einen Umlauf um die Sonne nur 3,3 Jahre. Entdeckt wurde er vom französischen Astronomen  Pierre Méchain im Jahre 1786. Normalerweise werden Kometen nach ihren Entdeckern benannt. Dieser Komet hingegen wurde nach dem deutschen Astronom  Johann Franz Encke benannt, da dieser seine Umlaufbahn berechnet hatte und Beobachtungen anderer Astronomen in den Jahren zuvor diesem Kometen zuordnen konnte.

März

Bahn des Kometen durch das Sternbild Großer Bär (Cartes du Ciel)
Komet 41P/Tuttle–Giacobini–Kresák im März

Im März wird der Komet 41P/Tuttle–Giacobini–Kresák immer heller und wandert dabei durch das markante Sternbild Großer Bär (Großer Wagen) und sollte leicht gefunden werden. Der Komet ist die ganze Nacht hindurch beobachtbar, da er sich im zirkumpolaren Bereich befindet und von uns aus gesehen somit nicht untergehen kann.

Der Komet wurde bereits 1858 vom amerikanischen Astronomen Horace Parnell Tuttle entdeckt, 1907 von  Michel Giaccobini und 1951 von Lubor Kresák wiederentdeckt. Mit einer Umlaufzeit von 5,4 Jahren zählt 41P zu den kurzperiodischen Kometen.

April

Bahn der Kometen in den Sternbildern Drache und Herkules (Cartes du Ciel)
Kometen 41P/Tuttle–Giacobini–Kresák und C/2015 V2 (Johnson) im April

Am 5. April passiert 41P/Tuttle–Giacobini–Kresák die Erde in einem Abstand von nur 22 Millionen Kilometern und kann somit bestens beobachtet werden. Er wandert im Laufe des Monats durch das Sternbild Drache in den Herkules und wird dabei immer schwächer.

Ebenfalls im Herkules befindet sich der Komet C/2015 V2 (Johnson). Anfangs ist er noch recht schwach zu sehen und steigert seine Helligkeit im Laufe der nächsten Monate. Er durchläuft den nördlichen Teil des Herkules und bewegt sich Richtung Süden zum Bärenhüter. Seine beste Beobachtungszeit ist am späten Abend.

Entdeckt wurde der Komet im Sternbild Luchs am 3. November 2015 vom Amerikaner Jess A. Johnson am Catalina Sky Survey.

Mai

Bahn der Kometen in den Sternbildern Herkules und Bärenhüter (Cartes du Ciel)
Kometen 41P/Tuttle–Giacobini–Kresák und C/2015 V2 (Johnson) im Mai

Der Komet 41P/Tuttle–Giacobini–Kresák entfernt sich im Laufe des Mai immer weiter von Sonne und Erde und wird immer schwächer.

Abgelöst wird er von C/2015 V2 (Johnson), der auf das Perihel (Sonnennähe) Mitte Juni zusteuert und immer heller wird. Er bewegt sich dabei immer weiter Richtung Süden und durchfliegt den Bärenhüter. Bereits Ende Mai haben wir in Norddeutschland Mitternachtsdämmerung, was die Beobachtung zusätzlich erschwert.

Juni

Bahn des Kometen durch die Sternbider Bärenhüter und Jungfrau (Cartes du Ciel)
Komet C/2015 V2 (Johnson) im Juni

Von den beschriebenen vier Frühjahrskometen ist nur noch C/2015 V2 (Johnson) übriggeblieben. Er hat Mitte Juni seine größte Helligkeit erreicht und wandert vom Bärenhüter durch die Jungfrau zum südlichen Sternenhimmel.

Aktuelle Informationen zu sichtbaren Kometen gibt es auf Winnies Kometenseiten schon seit 15 Jahren.