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Das Sternbild Caelum – Grabstichel

Herkunft, Mythologie, Beobachtungshinweise

zusammengestellt von E.-Günter Bröckels

1 Der Name

Diese Sternbildbeschreibung befasst sich mit einem weiteren neuzeitlichen Sternbild, welches am südlichen Sternenhimmel von dem französischen Astronomen Nicolas Louis de Lacaille auf einer ersten Karte des südlichen Sternenhimmels im Jahre 1756 angesiedelt wurde. Er belegte einige Regionen des südlichen Sternhimmels, die noch nicht benannt waren, mit Sternbildnamen. Im Gegensatz zu den klassischen Sternbildern, die nach mythologischen Gestalten und Gegenständen benannt sind, trugen seine Konstellationen meist die Namen von technischen Errungenschaften und Erfindungen seiner Zeit. Der ursprüngliche Name lautete Caela Sculptoris (die Grabstichel des Bildhauers). Der Grabstichel hat also nichts mit Gräbern, Friedhöfen und Gartenarbeit zu tun, sondern stellt ein Gravierwerkzeug dar, das früher, und in Künstlerkreisen bis in die heutige Zeit, zur Anfertigung von Kupfer- oder Stahlstichen oder auch zum Ziselieren von Gegenständen verwendet wurde bzw. wird. Zu Lacailles Zeiten hatte das Werkzeug, welches auch unter den Bezeichnungen Stichel, Zeiger, Burin, Sculper oder Scorper geführt wurde, außerdem enorme Bedeutung beim Erstellen von Druckplatten erlangt: Denn bildliche Darstellungen waren für wissenschaftliche Buchtitel und zur besseren Verständlichmachung von Texten von großer Bedeutung.

Bild 01: Verschiedene Grabstichel . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . .Bild 02: Grabstichel im Detail

Der Grabstichel hat einen hölzernen Handgriff und wird fast immer unmittelbar von Hand bewegt und nicht mit einem Hammer geschlagen. Der Handgriff ist in der Regel birnenförmig ausgeprägt, um einen festen Griff zu ermöglichen. Das der Schneide zugewandte Ende des Griffs ist abgeplattet, damit die Finger der Vorwärts- oder Abwärtsbewegung nicht hinderlich sind. Die Schneide ist typischerweise zwischen 8 und 11 cm lang und aus gehärtetem Stahl. Der Querschnitt ist je nach Anwendung unterschiedlich ausgeprägt. Die scharfe Klinge besteht aus der Kappe oder Schild genannt und der nach unten gekehrten Bahn, die mit der Kappe zusammentrifft und dadurch die Schneide ergibt.

Mit Entwicklung des Kupfer-, Stahl- und Holzstichs wurde der Grabstichel schnell zu einem bevorzugten Werkzeug für Künstler und sonstige Bearbeiter dieser Werkstoffe. Er gehörte zur Standardausstattung spätmittelalterlicher Werkstätten und ist auch heute noch in Gold- und Silberschmieden zu finden.

In der Frühen Neuzeit gehörte der Stichel bei Inquisitions- und Hexenprozessen zum Instrumentarium der „peinlichen Befragung“; ob auch ein Einsatz als allgemeines Folterinstrument erfolgte, ist nicht erwiesen; in mehreren Fällen ist in Prozessakten jedoch überliefert, dass die Angeklagten erst nach Androhung des „Stichelns“ Geständnisse abgaben.

Auch erhofften sich die die Verbreitung solcher Darstellungen von Folter und Hinrichtungen beauftragenden jeweiligen Städte eine abschreckende Wirkung auf die Zuwanderung Krimineller.

Eine authentische Darstellung von Foltermethoden findet sich in der österreichischen Constitutio Criminalis Theresiana, der Peinlichen Gerichtsordnung der Kaiserin Maria Theresia von 1769. Darin werden in zwei Anhängen die Foltergeräte und -methoden mit pedantisch genauen Gebrauchsanweisungen so dargestellt, wie sie bis dahin in Wien und Prag gebräuchlich waren.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ab/Theresiana-Titel.jpg
Bild 03: Peinliche Gerichtsordnung Österreichs zu Zeiten Maria Theresias

Für die verschiedenen Arbeiten sind früher verschiedene Bezeichnungen üblich gewesen oder zum Teil heute noch üblich: der Grabstichel im engeren Sinne wurde ausschließlich für Kupfersticharbeiten benutzt, der Messerzeiger oder Onglette ist im Querschnitt scharf keilförmig, die Schneide des Keils ist die Bahn und bildet mit der dreieckigen Kappe eine sehr scharfe Spitze. Weitere Ausführungen sind Spitzstichel, Flachstichel, dreieckiger Stichel, Boltstichel, Rundstichel, Ovaler Stichel und Fadenstichel.

2 Das Sternbild

Caelum     Genitiv: Caeli     Abk.: Cae     dt.: Grabstichel

Der Grabstichel ist ein unauffälliges Sternbild südlich des Hasen (Lepus) und östlich des ausgedehnten Eridanus. Vier Sterne bilden eine gekrümmte Linie. Nur zwei Sterne sind heller als die 5. Größenklasse. Von Deutschland aus kann nur der nördlichste Teil des Sternbildes im Dezember bei klarer Horizontsicht gesehen werden. Sein nur 185 Quadratgrad großes Himmelsareal erstreckt sich in RA von 4h19m32s bis 5h05m01s und in Dec von -48°44´18“ bis hinauf nach -27°01`30“ und ist somit erst ab 41° nördlicher Breite südwärts vollständig sichtbar. Es wird umgeben von Norden im Uhrzeigersinn von den Sternbildern Lepus, Eridanus, Horologium, Dorado, Pictor und Columba.

2.1 Die Sterne

Das Sternbild Caelum enthält aufgrund seiner südlichen Lage keine Sterne mit Flamsteed-Bezeichnungen, da John Flamsteed nur von London bzw. Greenwich aus beobachtete und katalogisierte. Weil es ein neuzeitliches und zudem aus lichtschwachen Sternen  < 4. Größe bestehendes Sternbild ist, haben die Sterne auch keine historischen Eigennamen.

Bild 04: Das Sternbild Caela Scalptoris nach Abbé de Lacaille

α Cae  ist ein 4m45 heller Zwergstern der Spektralklasse F2V mit einem blauweißen Licht von einer rund 7000 K heißen Sternoberfläche, welches von der Position RA 04h40m34s / Dec -41°51´49“ nach neueren Untersuchungen aus 2007 über eine Entfernung von 65,67 Lichtjahren zu uns kommt. In einem Abstand von 6,6 Bogensekunden vom Hauptstern befindet sich ein lichtschwacher brauner Zwerg als Begleiter, welcher der 13. Größenklasse und der Spektralklasse M0.5V zugehörig ist. Um das System zu beobachten benötigt man ein mittleres Teleskop.

β Cae ist ein 5m04 heller Unterriese der Spektralklasse F3V. Sein bläulich-weißes Licht kommt von der Position RA 04h42m03s / Dec -37°08´39“ über ca. 94 Lichtjahre zu uns.  Beta Caeli markiert im Sternbild etwa die Verbindungsstelle von Griffstück und Stichel.

γ Cae ist ein 4m55 heller roter Riese der Spektralklasse K2III in ca. 186 Lichtjahren Entfernung. Gamma Caeli ist der nördlichste der helleren Sterne in diesem Sternbild und ein optischer Doppelstern. γ1 Cae wird scheinbar in 2“9 Abstand von γ2 Cae, einem 6m32 hellen Stern der Spektralklasse F1II begleitet. In Wirklichkeit steht dieser Stern 321 Lichtjahre tief im Raum. γ2 Cae ist selbst ein Binärsystem mit einem 8m1 hellen Begleiter. Wenn man den 2m6 hellen Stern Alpha im Nachbarsternbild Columba  erkennen kann, kann man versuchen, Gamma Caeli 7,3° östlich davon aufzuspüren. Er markiert im Sternbild das birnenförmige Griffstück.

δ Cae markiert als südlichster der helleren Sterne im Sternbild die Stichelspitze mit einer noch mit bloßem Auge wahrnehmbaren Helligkeit von 5m07. Sein blaues Licht kommt von der 21.000 K heißen Oberfläche eines B3V-Unterriesen von der Position RA 04h30m50,1s / Dec -44°57´13,5“ über eine Distanz von 700 +/- 30 Lichtjahren zu uns.

RR Caeli ist ein Doppelstern im Sternbild Caelum auf der Position RA 04h21m05s / Dec -48°39´07“. Er ist ungefähr 66 Lichtjahre von der Erde entfernt und wurde erstmals 1955 von Jacob Luyten mit dem Namen LFT 349 bezeichnet. Er wurde 1979 als Bedeckungsveränderlicher identifiziert und weist eine Grundgröße von 14m36 auf, die alle 7,2 Stunden für ein Intervall von etwa 10 Minuten, aufgrund der totalen Bedeckung des helleren Sterns durch den schwächeren verursacht wird. Seine Variabilität in der Helligkeit führte dazu, dass er im Jahr 1984 die Sternbezeichnung RR Caeli erhielt. Dieses Sternensystem besteht aus einem roten Zwerg des Spektraltyps M6 mit 3100 K Oberflächentemperatur und einem weißen 7500 K heißen Zwerg, die sich alle 7,2 Stunden umkreisen. Der rote Zwerg hat nur 18% der Sonnenmasse, während der weiße Zwerg 44% Sonnenmasse hat.  Der rote Zwerg befindet sich in einer gebundenen Rotation mit dem weißen Zwerg, was bedeutet, dass es dem schwereren Stern immer dieselbe Seite zeigt wie zum Beispiel unser Mond der Erde. Das System ist auch ein Post-Common-Envelope-Binärsystem, denn der rote Zwergstern transferiert Material auf den Weißen Zwerg. In ungefähr 9-20 Milliarden Jahren wird RR Caeli aufgrund der allmählichen Verkürzung der Periode wahrscheinlich zu einem kataklysmischen variablen Stern werden, was zu einer zunehmenden Übertragung von Wasserstoff an die Oberfläche des Weißen Zwergs führt.

2.2 Deep-Sky-Objekte

NGC 1679,  eine mit 11m4 scheinbarer Helligkeit leuchtende Balkenspiralgalaxie, ist das einzige „bekanntere“ Deep-Sky-Objekt im Sternbild Grabstichel. Sie wurde im Jahre 1835 am 18. November von John Herschel auf der Position RA 04h49m552 / Dec -31°57´53“ entdeckt. Sie hat eine Winkelausdehnung von 2,7´x 2,0´ bei einer Entfernung, für die das Licht bis zu uns 49 Millionen Jahre braucht. Vom Hubble-Teleskop gibt es eine Aufnahme dieser Balkenspiralgalaxie. NGC 1679 liegt ca. 4,5° nordwestlich von Gamma Caeli.

Bild 05: NGC 1679

2.3 Sonstiges

Bild 06: Karte des Sternbilds Grabstichel

Literaturhinweise:

  • Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften       O. Lueger
    • Folterwerkzeuge und ihre Anwendung 1769      L. A. Veitmeyer
    • Internet z.B. Wiktionary                                                   div. Autoren
    • Internet z.B. Wikipedia                                                      div. Autoren
    • www.astronomie.de                                                             div. Autoren
    • Sternbilder von A bis Z                                                       A. Rükl
    • Buch der Sterne                                                                      Guinness

Quellenangaben zu den Abbildungen:

  • Bild 01: kein Nachweis, Internet Verkaufsangebot bei ebay
  • Bild 02: Burin Sculper  wikipedia.org/wiki/Grabstichel (Werkzeug)  Postelwijn
  • Bild 03: wikipedia.org/wiki/Constitutio_Criminalis_Theresiana
  • Bild 04: de.wiktionary.org Caelum
  • Bild 05: cgs.obs.carnegiescience.edu NGC 1679
  • Bild 06: Wikimedia Commons, the free media repository Caelum constellation map.png

Die Serie der Sternbildbeschreibungen wird fortgesetzt.

Der Beitrag Das Sternbild Caelum – Grabstichel erschien zuerst auf Sternwarte Lübeck.

Das Sternbild Circinus/Zirkel

Herkunft, Mythologie, Beobachtungshinweise

Zusammengestellt von E.-Günter Bröckels

1 Der Name

Auch das hier beschriebene Sternbild gehört zu den späten Sternbildern, die erst in der Neuzeit der Astronomie am Südsternhimmel eingefügt wurden. Wurden in der Antike hauptsächlich mythische Personen und Tiere als Sternbilder am Himmel verewigt, so wurden in der Neuzeit überwiegend für die damalige Zeit unverzichtbare und epochemachende Erfindungen als Sternbilder publiziert. So kam auch der Zirkel, im Althochdeutschen Circil genannt, ein Zeichen- und Hilfsgerät zum Zeichnen von Kreisen bzw. allgemeiner zum Übertragen von Distanzen und zum Abstecken von täglichen Reiselängen auf Seekarten unter der lateinischen Bezeichnung Circinus an den damals noch sternbildarmen Südhimmel.

Der Zirkel galt schon im vorchristlichen Altertum als Instrument der planend entwerfenden Intelligenz und ist seither auch Symbol für aktive Schöpfungskraft und neben der Waage auch Symbol für abwägende Geistestätigkeit, Gerechtigkeit, Klugheit, Mäßigung und Wahrheit.   

Zum Erstellen von Zeichnungen war und ist dieses Instrument also unverzichtbar. In der antiken Geometrie waren Zirkel und Lineal geradezu heilige Gegenstände. Außerdem ist er ein in der ebenen Euklidischen Geometrie verwendetes mathematisches Instrument, das einen Kreis um einen gegebenen Punkt zieht.

Wir finden den Zirkel unter anderem auf historischen und astronomischen Bildern als Algorithmus oder Handwerkszeug, zum Beispiel auf einer Darstellung des Gottes Uranus als Schöpfer der ersten Welt oder auf einem Bild aus dem Segelhandbuch „Licht der Zeevaert“ von Wilhelm Bleau aus dem Jahr 1608.

Christliche Darstellung „Gott erschafft die Welt“

Uranus als Schöpfer der ersten Welt

Schon die Menschen der Steinzeit verwendeten den Zirkel, allerdings in einer sehr vereinfachten und für deren Zeit genialen Ausführung. Sie rammten einen Pfahl an einer vorher festgelegten Stelle in den Boden, befestigten ein Seil mit einer beweglichen Seilöse daran und in einem ganz bestimmten Abstand zum stehenden Pfahl einen weiteren Pfahl, mit dem sie nun einen genauen Kreis um den stehenden Pfahl ziehen konnten. In dieser Art wurden zum Beispiel die Steinkreise für das Sonnen- und Mondobservatorium von Stonehenge angelegt.

Ausschnitt aus Segelhandbuch „Licht der Zeevaert“ von Wilhelm Bleau 1608

Aufzeichnungen von Entdeckungen und Erfindungen, unter anderen die von Leonardo da Vinci, wären ohne Einsatz eines Zirkels nicht möglich gewesen, denn in der Antike war der Zirkel neben dem Lineal das einzige Hilfsmittel zur Konstruktion geometrischer Objekte.

Auch in der Geometrie und bei der Konstruktion waren Zirkel und Lineal die einzigen Hilfsmittel, um geometrische Zeichenoperationen auszuführen wie zum Beispiel Parallelverschiebungen von Geraden, Errichten der Senkrechten auf einer Gerade, der Mittelsenkrechten auf einer Strecke, Konstruktion von Dreiecken, Trapezen, Parallelogrammen, Rechtecken, regelmäßigen Sechsecken und vielem mehr.

Im Mittelalter wurde der Zirkel zum Symbol der Geometrie, der kosmischen Ordnung und Planungsarbeit, insbesondere in der Baukunst sowie Erd-, Land- und Stadtvermessung. In der bildenden Kunst zeigen Buchmalereien den Weltenrichter als Geometer, der den Erdkreis vermisst. Der Zirkel ist mit dem Winkelmaß und dem heiligen Buch noch heute ein Symbol der Freimaurerei. Die Logengründer orientierten sich dabei an Innungszeichen, welche den Baubruderschaften der Dombauhütten entlehnt wurden, die diese Kombination, Zirkel – Winkelmaß – Buch, als Symbol führten. Bei den Freimaurern kam dem Öffnungswinkel der Zirkelschenkel eine zusätzliche Bedeutung zu, ebenso wie der Anordnung von Zirkel und Winkelmaß zueinander. Ein Zirkel ist auch eines der Attribute der Temperantia, der Personifikation der Mäßigung und Besonnenheit. Sie ist eine der vier platonischen Kardinaltugenden und hat das Ziel Mittigkeit / Harmonie durch Ausgleich der allseitigen Extreme, also aus verschiedenartigsten Teilen, ein einziges geordnetes Ganzes zu erreichen. Auch der personifizierten Melancholie, wie z. B. in Albrecht Dürers Kupferstich Melencolia I aus dem Jahr 1514, wird der Zirkel als Attribut zugeordnet.

In der deutschen Geschichte gehörte nach 1945 der Zirkel zusammen mit einem Fäustel (Doppelkopfhammer) und einem Ährenkranz zum Emblem des Arbeiter- und Bauernstaates DDR. Der Zirkel symbolisierte darin die „Schicht der Intelligenz“.

Unterschiedliche Arten von Zirkeln

Der Fäustel oder Doppelkopfhammer und der Ährenkranz standen für die Arbeiter- bzw. Bauernschaft. Der Zirkel findet sich auch als Symbol in der Kunstrichtung Sozialistischer Realismus.

Im Jahre 1756 stellte der französische Astronom Nicolas-Louis de Lacaille die Konstellation des Sternbildes Circinus mit dem französischen Namen „le Compas“ vor. In dieser ersten ausführlichen Karte des südlichen Sternenhimmels benannte Lacaille 14 Konstellationen und stellte die neuen Sternbilder von Norma, Circinus und Triangulum Australe, Quadrant und Lineal als zusammengehörige Sternbildgruppe in einen Satz von Zeichnerinstrumenten. Circinus erhielt seinen heutigen Namen im Jahre 1763, als Lacaille eine aktualisierte Himmelskarte mit lateinischen Namen für die von ihm eingeführten Konstellationen veröffentlichte. Im nachfolgenden Bild ist der Zirkel als „le Compas“ unter den Vorderhufen des Centaurs zu sehen.

Planisphere des Etoiles Australes von Nicolas-Louis de Lacaille, 1756

2 Das Sternbild

Circinus     Genitiv: Circini     Abk.: Cir     dt. Zirkel

2.1 Die Sterne

Der Zirkel ist ein unauffälliges Sternbild bestehend aus einer Gruppe von Sternen, von denen nur einer die 3. Größenklasse erreicht. Seine Sternbildgrenzen reichen in Rektaszension von 13h38m43s bis 15h30m22s und in Deklination von -70°37´28“ bis hinauf nach -55°26´11“. Somit ist es erst ab 19° nördlicher Breite südwärts vollständig sichtbar. Die offiziellen Konstellationsgrenzen, wie sie von Eugène Delporte, einem Mitglied der Internationalen Astronomischen Union (IAU), 1930 festgelegt wurden, werden durch ein Polygon von 14 Segmenten definiert, die 93 Quadratgrad umschließen. Umgeben von seinen Nachbarsternbildern Lupus, Centaurus, Musca, Apus, Triangulum Australe und Norma liegt das Sternbild Circinus linksseitig auf einer Verlängerung einer Linie von β Cen, Hadar, nach α Cen, Rigil. Die Sterne im Sternbild Zirkel haben keine Eigennamen.

α Circini, der mit 3m19  hellste Stern im Zirkel, ist ein Doppelsternsystem. Ein mit 8m6  leuchtender Begleiter umkreist den Hauptstern in 16“ Abstand. Die beiden Sterne sind bereits mit einem kleineren Teleskop in Einzelsterne auflösbar. Auf der Position RA 14h42m30s / Dec -64°58´30“ markiert Alpha Cir die Verbindungsstelle der Zirkelschenkel in einer Entfernung von 54 Lichtjahren zur Erde. Sein Licht kommt von einer 7.500 K heißen Oberfläche eines A7 Vp Spektraltyps. Er ist mit 0,03m gering variabel.

β Cir, auf der Position RA 15h17m31s / Dec -58°48´04“stehend, markiert die nordwestliche Schenkelspitze mit einer Helligkeit von 4m069 aus einer Entfernung von 97 Lichtjahren. Er gehört zur Spektralklasse A3 Va  und ist rund 9.700 K heiß.

Am 30. Oktober 2015 wurde bei Beta Cir ein brauner Zwerg mit einer Oberflächentemperatur von 2.084 K und einer Helligkeit von nur 22m entdeckt. Er bekam die Bezeichnung Beta Circinus (klein) b und wurde neuesten Untersuchungen zufolge, z.B. Abstand zum Hauptstern, Umlaufzeit, Eigenrotation, als Exoplanet eingestuft.

γ Cir, der dritte figurbildende Stern, markiert auf der Position RA 15h23m22s / Dec -59°10´15“ die nordöstliche Schenkelspitze des Zirkels. Gamma Cir wurde schon 1885 von W. Herschel als Doppelstern deklariert. Die Hauptkomponente, ein Unterriese, ist ein 15.135 K heißer B5 IV Spektraltyp, der in 1 Bogenminute Abstand von einem 4.780 K heißen  F8 V-Stern in 258 Jahren einmal umkreist wird. Das ganze System ist 450 Lichtjahre von uns entfernt.

δ Cir ist mit der gemeinsamen Helligkeit von 5m09 ein sehr helles Mehrfachsternsystem, welches sich schon in kleinen Teleskopen trennen lässt. Die Hauptkomponente δ Cir A wird von zwei sich in 3,9 Tagen umkreisenden O8- und O9.5-Sternen, δ Cir Aa und δ Cir Ab, umrundet. Ein weiterer Begleiter ist δ Cir B, ein mit 13m gelb leuchtender G5-Stern mit einer Oberflächentemperatur von rund 5.000 K. Das hier gewonnene Mischspektrum ist O7.5 III.

Hierzu gesellt sich der 6m0 helle Stern mit der Katalognummer HD135160, der zur Spektralklasse B05 gehört, seinerseits einen Begleiter hat und das δ Cir A-System in 4 Bogenminuten Abstand umkreist. Dieses ganze System steht auf der Position RA 15h16m57s / Dec -60°57´26“ und 770 pc oder 2.500 Lichtjahre tief im Raum. Zum Aufsuchen braucht man nur den Abstand β Cen / α Cen = Toliman einmal nach Westen zu verlängern.

ε Cir, ein 4m86 heller, orange leuchtender Riesenstern der Spektralklasse K2.5 III, schickt uns sein Licht aus 410 Lichtjahren Entfernung. Seine Position ist RA 15h17m39s / Dec -63°36´38“ und somit sehr nahe der Grenze zum „Südlichen Dreieck“.

θ Cir zeigt sich als 5m1 helles Doppelsternsystem. Die Komponenten gehören den Spektralklassen B4 Vnp und B4 Vnpe an, sind beide 5m9 hell und umkreisen sich in 39,6 Jahren einmal. Ihr Licht braucht bis zu uns 276 +/- 7 Jahre. Im Sternbild steht dieses System auf der Position RA 15h04m48s / Dec -64°01´53“ nordwestlich von Alpha Circini.

η Cir ist ein 5m2 heller gelber Riese der Spektralklasse G8 III und steht 276 Lichtjahre tief im Weltall.

ζ Cir strahlt als 6m9 heller, blau-weißer Hauptreihenstern. Sein Lichtspektrum aus einer Raumtiefe von 1.273 Lichtjahren verrät uns einen über 20.000 K heißen B3 V-Stern.

2.2 Deep-Sky-Objekte

Die Circinusgalaxie (ESO 97-G13) ist eine Seyfertgalaxie vom Typ-2 im Sternbild Zirkel.  Sie ist die unserer Galaxie, der Milchstraße, am nächsten stehende bekannte aktive Galaxie. Sie befindet sich gerade einmal 4 Grad unterhalb der Galaktischen Ebene und ist etwa 13 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Galaxie enthält große Mengen an turbulentem Gas, das in zwei Ringen um das Zentrum konzentriert ist. Der innere Ring weist einen Radius von etwa 130 Lichtjahren auf, während der äußere Ring etwa 700 Lichtjahre vom Zentrum der Galaxie entfernt ist. Er zeigt alle Merkmale einer starken Sternentstehung. Weil diese Galaxie  von Materie unserer eigenen Galaxie verdunkelt wird, wurde sie erst in den 1970er-Jahren entdeckt, obwohl es sich um eine relativ nahe gelegene Galaxie handelt. Ihre Position ist RA 14h13m10s / Dec -65°20´21“. In dieser Galaxie wurde im Jahr 2001 ein helles, variables Objekt vom Chandra Röntgenobservatorium beobachtet, welches erst fast ein Jahrzehnt später als SN 1996cr bestätigt wurde.

Circinusgalaxie ESO 97-G13 (HST)

NGC 5315 ist ein beinahe glückskleeblattförmiger planetarischer Nebel, welcher am 4. Mai 1863 von Ralf Copeland auf der Position RA 13h53m57s / Dec -66°30´50“, also 5,2 Grad südwestlich von Alpha Circini, in 7.000 Lichtjahren Entfernung entdeckt wurde.  Dazu benutzte er den Leviathan von Lord Rosse. Das 9m8 helle Licht verteilt sich auf eine Fläche von 0,23´ x 0,23´, wobei der Zentralstern nur eine Helligkeit von 14m2 aufweist. Um dieses Objekt flächig und in brauchbarer Auflösung zu sehen, bedarf es einer großen Öffnung bei 200-facher Vergrößerung.

Ralph Copeland (* 3. September 1837 in Woodplumpton (Lancashire); † 27. Oktober 1905 in Edinburgh) war ein britischer Astronom, vierter Regius Professor of Astronomy an der University of Edinburgh und der dritte Astronomer Royal for Scotland. Copeland studierte von 1865 bis 1867 Astronomie an der Georg-August-Universität in Göttingen und blieb bis 1869 an der dortigen Sternwarte. 1869/70 nahm er an der zweiten deutschen Nordpolarexpedition unter Leitung von Kapitän Carl Koldewey teil.

Planetarischer Nebel NGC 5315 (HST; Foto: ESA)

NGC 5823 ist ein 800 Millionen Jahre alter offener Sternhaufen aus 80 – 100 Sternen bestehend. Seine Flächenhelligkeit von 7m9 verteilt sich auf einen Raum von 12 Lichtjahren Durchmesser und kommt aus einer Entfernung von 3.500 Lichtjahren. Man findet ihn auf der Position RA 15h05m45s / Dec -55°37´30“, was 1826 erstmals James Dunlop getan hat.

Offener Sternhaufen NGC 5823

Im Sternbild Zirkel wurden mehrere Exoplaneten entdeckt. Wie oben beschrieben, wurde  bei Beta Circini ein Begleiter als Exoplanet eingestuft und auch  beim Stern HD129445 wurde 2010 ein jupiterähnlicher Exoplanet entdeckt. HD134060 besitzt sogar nachweislich 2 Exoplaneten.

2.3 Sonstiges

Aus dem Sternbild Circinus kommt der Meteorstrom der Alpha Circiniden (ACI). Sie wurden erstmals im Jahr 1977 entdeckt und registriert.

Literaturhinweise:

  • Sternbilder von A bis Z                                              Dausien
  • Buch der Sterne                                                             Guinness
  • Lexikon der Astronomie                                           Spektrum
  • Internet z. B. Wikipedia                                            div. Autoren
  • Meyers Handbuch Weltall                                      Schaifers/Traving
  • Lexikon der Symbole                                                  Becker

Die Serie der Sternbildbeschreibungen wird fortgesetzt.

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